"Anschaffung von mobilen Luftreinigungsgeräten nicht sinnvoll"

Veröffentlicht am: 17.08.2021
In der Ratssitzung am 24. August geht es auch um die Frage, wie Räume während der Corona-Pandemie belüftet werden sollten.

Beschlussvorlage der Stadtverwaltung für die Ratssitzung am 24. August:  

Nach den Vorstellungen der Landesregierung NRW soll der Schulunterricht für das Schuljahr 2021/2022 in vollem Umfang im Präsenzunterricht stattfinden. Dieses Ziel wird seitens der Stadt Langenfeld in vollem Umfang mitgetragen. Die Beeinträchtigungen, die die Kinder und Jugendlichen während der Lock down-Phasen und des Online-Unterrichts erlitten haben, dürfen sich nicht wiederholen.

Oberstes Ziel ist es für die Stadt Langenfeld, die Gesundheit der Kinder und Jugendlichen in den Schul- und Kitaräumen zu gewährleisten und ihnen ein sicheres Umfeld zu bieten. Einen wichtigen Aspekt hierbei stellt die Aufrechterhaltung des Präsenzunterrichtes dar. Selbstverständlich gilt das auch für die Kindertagesstätten, da hier die Betreuung der Kinder durch die Pandemie ebenfalls stark eingeschränkt war.

Für den Präsenzunterricht sollen die gemeinsam mit den kommunalen Spitzenverbänden, dem Gesundheitsministerium und der Unfallkasse NRW erarbeiteten Vorgaben für die Hygiene und den Infektionsschutz fortgelten, da sie sich bewährt haben und einen zusätzlichen Schutz für alle bieten.
Ebenfalls werden die Testungen zwei Mal in der Woche fortgesetzt, wobei Personen mit nachgewiesen vollständigem Impfschutz nicht mehr getestet werden müssen. In den Grundschulen kommen wie bisher die PCR-basierten Lolli-Tests zum Einsatz, in den weiterführenden Schulen die Antigen-Selbsttests.

Die Pflicht zum Tragen einer medizinischen Maske im Innenbereich der Schulen bleibt vorerst bestehen. Die Notwendigkeit dieser Maskenpflicht wird aber nach den Sommerferien vom ersten Tag an im Lichte des Infektionsgeschehens und danach weiterhin regelmäßig überprüft.
Aus der Politik, aber auch aus der Elternschaft (Stadtschulpflegschaft), kommen über diese allgemeinen Anforderungen seit einiger Zeit immer wieder Anfragen oder Forderungen, die Schulen mit mobilen Luftreinigern auszustatten.

Diese zum Teil sehr emotional geführten Forderungen haben die Stadt Langenfeld veranlasst zu überprüfen, wann der Einsatz von mobilen Luftreinigungsgeräten sinnvoll ist, welche Geräte auf dem Markt sind, welche Anforderungen erfüllt sein müssen und welche Konsequenzen mit dem Einsatz von mobilen Luftreinigern verbunden sind.

Aus der Politik wurde die Verwaltung darüber hinaus beauftragt (Schulausschuss am 22.06.2021), Experten und Politiker gemeinsam für einen Austausch von Argumenten zusammenzubringen. Es fanden zwei Gespräche im Rahmen von Onlinekonferenzen statt, das erste mit einem Vertreter des IUTA (Institut für Energie- und Umwelttechnik), das andere mit einem Vertreter des UBA (Um-weltbundesamtes).
Beide Experten haben übereinstimmend die Auffassung vertreten, dass
- mobile Luftreiniger kein Ersatz, sondern nur Ergänzung für das Lüften sind
- ein Einsatz von Luftreinigungsgeräten in Räumen sinnvoll sein kann, wo keine gute Lüftung möglich ist
- Räume, die über weit zu öffnende Fenster verfügen (auch nur auf einer Seite), zu den gut zu lüftenden Räumen gehören
- Räume, die nur über Oberlichter verfügen oder deren Fenster nur gekippt werden können, zu den schlecht zu belüften Räumen gehören – hier ist ein Einsatz eines Luftreinigers sinnvoll
- die Positionierung im Raum wichtig ist, evtl. „überdimensionierte“ Geräte Verwendung finden sollten, damit die Geräte nicht im Vollbetrieb laufen müssen
- Geräte keine Vorlaufzeit benötigen, sondern nach dem Einschalten direkt ihre Wirkung entfalten
- je größer ein Raum ist, desto „unwirksamer“ die Geräte sind (Beispiel Turnhalle).
- es ist nicht belegt ist, dass es weniger Infektionen durch Luftreiniger gibt
- auf Masken nicht verzichtet werden kann; dies insbesondere wegen der direkten Infektionsmöglichkeit (face to face).
- Co-Warnmelder als Ergänzung sinnvoll sind

Es wird darüber hinaus die Sorge geäußert, dass beim Einsatz von mobilen Luftfiltergeräten die Lüftungsdisziplin geringer wird. Geraten wird dazu, Geräte nicht willkürlich, sondern nur mit Wirksamkeitsnachweis anzuschaffen. Geräte, die nur die Mindestanforderungen hinsichtlich des Luftaustausches erfüllen, können zu einer Geräuschbelästigung führen, da sie immer im Höchstbetrieb laufen müssen.
Als weitere Publikationen wurden unter anderem die Empfehlungen des Umweltbundesamtes (UBA) bzw. der Innenraumlufthygiene-Kommission (IRK), aber auch die Aussagen der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene und der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) sowie des Städte- und Gemeindebundes NRW ausgewertet.

Demnach gelten folgende Grundsätze, die insbesondere das UBA / IRK immer wieder, zuletzt am 09.07.2021 und bei der Gesprächsrunde mit Vertretern des Schulausschusses und der Stadtschulpflegschaft am 15.Juli betont:
- Frischluftzufuhr ist eine der wirksamsten Methoden, potentiell virushaltige Aerosole aus Innenräumen zu entfernen und ist als prioritäre Maßnahme zu betrachten.
- Das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung und die Einhaltung der Hygieneregeln in Innenräumen sind nur ausreichend wirksam, wenn gleichzeitig für einen angemessenen Luftaustausch durch z.B. Fensterlüftung gesorgt wird.
- Luftreinigungsgeräte sind kein Ersatz für das Lüften, können aber unter bestimmten Bedingungen als Ergänzung sinnvoll sein, insbes. dort, wo keine gute Lüftung möglich ist.
- Es besteht die Gefahr, dass bei Anschaffung von Luftreinigungsgeräten eine Sicherheit suggeriert wird und damit die Lüftungsdisziplin geringer bzw. das Lüften eingestellt wird.
- Luftreinigungsgeräte bieten keinen Schutz vor einer möglichen Tröpfcheninfektion im Nahbereich (face to face). Daher müssen Masken weiter im Unterricht getragen werden.
- Es gibt keine Belege, ob sich die Zahl der Infektionen bei der Nutzung von Luftreinigern auch tatsächlich verringert. In nun fast 1 ½ Jahren Corona gab es weder an den Langenfelder Schulen noch den Langenfelder Kindertageseinrichtungen sog. Hot-Spots.
- Nachhaltigste Maßnahme zur Verbesserung der Innenraumlufthygiene, deren Erfolg auch nach der Pandemie anhält, ist der Einbau stationärer / fest eingebauter raumlufttechnischer Anlagen (RLT-Anlagen).
Auch die Universität Stuttgart kommt in Ihrem Abschlussbericht des Pilotprojektes „Experimentelle Untersuchung zum Infektionsrisikos in Klassenräumen in Stuttgarter Schulen“ vom 05.07.2021 u.a. zu folgenden Ergebnissen:
- Der flächendeckende Einsatz von Luftreinigungsgeräten ist nicht indiziert.
- Bei ungenügender Fensteröffnungsfläche in einzelnen Klassenräumen sollte der Einbau von Luftreinigungsgeräten oder RLT-Anlagen geplant werden.
- Der Einsatz von Luftreinigungsgeräten kann nicht andere Maßnahmen (AHA+L, Maske, Testen, Impfen) zur Eindämmung der Infektionsausbreitung ersetzen oder gar negieren.
- Die resultierende Infektionswahrscheinlichkeit beim Tragen einer FFP2-Maske bewegt sich unabhängig von den untersuchten Lüftungskonzepten (Luftreinigungsgerät, Fensterlüftung und RLT-Anlage) im selben Größenbereich.
- Als mittelfristiges Ideal werden RLT-Anlagen aufgrund der Sicherstellung der Raumluftqualität (auch hinsichtlich der CO2- und Feuchte-Belastung) sowie der Reduzierung der Lüf-tungswärmeverluste (aufgrund der Wärmerückgewinnung) gesehen.
In einer Presseerklärung vom 05.08.2021 der Landesregierung NRW teilt das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung nach Beratung mit den kommunalen Spitzenverbänden mit, dass eine flächendeckende Ausstattung von Klassenräumen mit mobilen Luftfilteranlagen nicht vorgesehen sei. Gefördert werden demnach nur Luftreinigungsgeräte für schlecht zu lüftende Klassenräume der Kategorie 2.
Fazit: Eine Beschaffung von mobilen Luftfilteranlagen ist aus den oben genannten Gründen nicht zielführend. Falls dennoch mobile Luftfilteranlagen angeschafft werden sollen, sind die folgenden Auswirkungen zu berücksichtigen.

Fördermaßnahmen:

Die mögliche Förderung basiert auf der vom UBA Anfang Juli 2021 empfohlenen Einteilung der Räume in drei Kategorien.
-  Kategorie 1: Räume mit guter Lüftungsmöglichkeit (RLT-Anlage und/oder Fenster weit zu öffnen) – Empfehlung UBA: Einsatz mobiler Luftreinigungsgeräte nicht notwendig, die gleichzeitige Anwendung von Lüftung und Einhaltung der AHA-Regeln ist aus innenraum-hygienischer Sicht umfassend und ausreichend für den Infektionsschutz gegenüber dem Corona-Virus.
- Kategorie 2: Räume mit eingeschränkter Lüftungsmöglichkeit (keine RLT-Anlage, Fenster nur kippbar bzw. Lüftungsklappen mit minimalem Querschnitt) – Empfehlung UBA: Alter-nativ zum Einbau möglicher Zu- und Abluftanlagen ist der Einsatz mobiler Luftreiniger sinnvoll. Fachgerecht positioniert und betrieben ist ihr Einsatz wirkungsvoll, um während der Dauer der Pandemie die Wahrscheinlichkeit indirekter Infektionen zu minimieren.
- Kategorie 3: Nicht zu belüftende Räume – Empfehlung UBA: zur Nutzung für den Schulun-terricht nicht geeignet
Nach noch zu erfolgendem Abschluss einer Bund-Länder-Vereinbarung wird vom zuständigen Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung die Landes-Förderrichtlinie veröffentlicht. Diese wird eine Förderung der sogenannten Kategorie-2-Räume vorsehen, und zwar von Einrichtungen für Kinder unter 12 Jahren.

Räume in den Langenfelder Schulen:

Eine Prüfung durch das Gebäudemanagement hat ergeben, dass es bis auf die beiden Hörsäle im A-Gebäude des KAG in den städtischen Schulen und auch der Bettine-von-Arnim-Gesamtschule keine Räume der vom UBA definierten Kategorie 2 gibt.

Die Leistungsfähigkeit der RLT-Anlage in zwei NW-Räumen im KAG wurde Ende Juli 2021 von einer Fachfirma geprüft. Diese NW-Räume verfügen neben einer Lüftung nur über Oberlichter. Die erste Überprüfung hat ergeben, dass die vorhandene RLT-Anlage zwar nominell den Anforderungen entspricht (900 cbm Luftumsatz/Stunde), tatsächlich aber nur die Hälfte der Leistung erbringt. Die Anlage wird in der nächsten Zeit überprüft und auf Stand gebracht.
Empfohlen wird für die Filterung von Schulräume ein bis zu sechsfacher Luftumsatz je Stunde. In Abhängigkeit von der jeweiligen Klassenraumgröße müssen die Geräte einen Luftaustausch mindestens in der Größenordnung von 1080 - 2000 cbm realisieren. Dann werden sie aber schon an der Belastungsgrenze betrieben, was zu einer erhöhten Geräuschbelästigung führen kann.

Nicht störend für den Unterricht wären Geräte mit einer Geräuschentwicklung von 35 Dezibel. Die technischen Daten etlicher Geräte haben jedoch eine Geräuschentwicklung von 50 und mehr Dezibel.
Geräte mit einem Luftumsatz von 1200 cbm/Stunde kosten auf dem Markt ca. 3.500,00 €/Stück.
Zu berücksichtigen ist auch, dass die Klassenräume der Prismaschule (neugebauter Teil) und auch der Neubauteil der Kopernikus-Realschule mit RLT-Anlagen ausgestattet sind und bei der Berechnung der mobilen Luftfilteranlagen nicht berücksichtigt wurden.
Würde man in den Grundschulen alle Räume (Klassen, Betreuung, Mensen, Fachräume, aber ohne Verwaltung) berücksichtigen, kommt man auf ca. 168 Räume.

Würde man in den drei weiterführenden Schulen alle Räume (Klassen, Kursräume, Mensen, Be-treuung, Fachräume, aber ohne Verwaltung) berücksichtigen, kommt man auf ca. 212 Räume.
Hinzu kommen ca. 90 Räume der Bettine-von-Arnim-Gesamtschule.Werden lediglich die Klassenräume und Fachräume gerechnet, in denen Kinder bis zu 12 Jahren (Klassen 1-6) unterrichtet werden, ergibt sich folgende Aufstellung:
Grundschulen: 168 Räume
Kopernikusrealschule bis 29 Klassenräume und Fachräume
Prismaschule bis 45 Klassenräume und Fachräume
Bettine-von-Arnim-Schule bis 44 Klassenräume und Fachräume
Konrad-Adenauer-Gymnasium bis 41 Klassenräume und Fachräume

Räume in städtischen Kindertageseinrichtungen:

Das Förderprogramm erfasst auch Kindertageseinrichtungen. Auch hier gibt es mit Ausnahme von 5 Räumen im hinteren Teil der Kita Götscher Weg (altes Schulgebäude) keine Räume der Katego-rie 2. Die Fensteranlagen der genannten 5 Räume mit jeweils einem Nebenraum des für Kitazwe-cke genutzten Schulgebäudes sind teilweise schlecht zu öffnen bzw. weisen Kippfester/Oberlichter auf. Zudem befinden sich die Räume in den oberen Etagen, was als Erschwernis im Rahmen der Erfüllung der Aufsichtspflicht für das Personal betrachtet werden muss. Hier könnte aber wohl mit relativ einfachen Maßnahmen baulich nachgerüstet werden.

Die seit 2010 erbauten städt. Einrichtungen Am Brückentor, Möncherderweg, Langforter Straße und Geranienweg verfügen alle über fest verbaute Raumlufttechnikanlagen. Diese vier Einrichtungen wurden bei der Berechnung außer Acht gelassen.
Ausgehend von 8 städtischen Kindertageseinrichtungen ohne RLT-Anlage mit 37 KITA-Gruppen und mindestens 2 Räumen, zum Teil auch 3 Räumen pro Gruppe (Hauptraum, Nebenraum, Schlafraum), sind insgesamt ca. 100 Räume mit Luftfiltergeräten auszustatten. Verwaltungsberei-che und Mehrzweckräume sind dabei nicht berücksichtigt.

Positionierung der Luftfiltergeräte

Die Aufstellung der Geräte in den jeweiligen Räumen von Schulen und Kindertageseinrichtungen ist von elementarer Bedeutung, d.h., ein falsch aufgestellten Gerät kann in erheblichem Maß kont-raproduktiv sein. Das haben die Fachleute in den Besprechungen hervorgehoben. Die Beauftra-gung eines Fachingenieurbüros zur Fehlervermeidung wäre zwingend angeraten. Ein nicht uner-hebliches Argument stellt die unklare Weiterverwendung der angeschafften Luftfilteranlagen nach Abklingen der Pandemie dar.

Kostenkalkulation für die Anschaffung von Luftfiltergeräten (ohne Folgekosten)
Es ergibt sich die nachfolgend beschriebene grobe Kostenkalkulation für die Anschaffung von Luft-reinigungsgeräten (ohne Förderung) für alle Schulen und städtischen Kindertageseinrichtungen.

Anschaffung (Gesamtausstattung):
Grundschulen: 168 Räume x 3.500,00 Euro = 588.000 Euro
weiterführende Schulen (ohne BVA): 212 Räume x 3.500 Euro = 742.000 Euro
Bettine-von-Arnim-Gesamtschule: 90 Räume x 3.500,00 Euro = 315.000 Euro
Städtische Kindertageseinrichtungen 100 Räume x 3.500 Euro = 350.000 Euro
Anschaffung (Kindertageseinrichtungen und Klassenräume für Kinder bis 12 Jahren/bis Jahrgangsstufe 6)
Grundschulen: 168 Räume x 3.500,00 Euro = 588.000 Euro
weiterführende Schulen (ohne BVA): bis 115 Räume x 3.500 Euro = 402.500 Euro
Bettine-von-Arnim-Gesamtschule: bis 44 Räume x 3.500,00 Euro = 154.000 Euro
Städtische Kindertageseinrichtungen: ca. 100 Räume x 3.500 Euro = 350.000 Euro
Die Berechnungen basieren darauf, dass bei einer Beschaffung nur ein Gerät pro Raum aufgestellt wird. Nach Einschätzung des Gebäudemanagements kann es auch realistisch sein, in großen Klassenräumen mehr als ein Gerät einzusetzen. Damit würde sich natürlich die Kalkulation verändern.

Investition/Vergabeverfahren gesamt

Wenn alle oben genannten Räume mit jeweils einer mobilen Luftfilteranlage ausgerüstet werden, ist eine Gesamtinvestition in Höhe von 2.100.000,00 € notwendig.
Investition/Vergabeverfahren (Kindertageseinrichtungen und Klassen- und Fachräume für Kinder bis 12 Jahren/bis Jahrgangsstufe 6)
Wenn nur die Klassenräume und Fachräume mit jeweils einer mobilen Luftfilteranlage ausgerüstet werden, die von Kinder bis 12 Jahren genutzt werden, ist eine Gesamtinvestition in Höhe von 1.494.500,00 € notwendig, davon entfallen 154.000,00 € auf die Bettine-von-Arnim-Gesamtschule.
Die aktuellen Schwellenwerte für Ausschreibungen liegen bei 214.000 Euro für Dienst- und Liefer-aufträge. auch bei einer Trennung der Aufträge oder einer Reduzierung der Ausstattung auf Räu-me für bis Zwölfjährige bewegen wir uns immer im Raum der europaweiten Ausschreibungen (Ausnahme Bettine-von-Arnim-Gesamtschule bei Anschaffung von Geräten nur bis Jahrgangsstufe 6). EU-weite Ausschreibungen erfordern einen zeitlichen Rahmen von mindestens drei Monaten, wenn nicht seitens eines Mitbewerbers eine Bieterbeschwerde eingelegt wird, was unmittelbar zu einer Verzögerung des Verfahrens führen würde.
Die nächst niedrigschwellige Ausschreibungsart stellt bis zu einem Auftragswert von 214.000 € die öffentliche (nationale) Ausschreibung dar, bis 100.000,00 € ist die beschränkte Ausschreibung anzuwenden, hier wären 7 Anbieter zur Abgabe eines Angebotes aufzufordern.
An anderer Stelle dieser Vorlage wird darauf hingewiesen, dass die Aufstellung der Geräte durch ein Fachingenieurbüro festgelegt werden sollte. Expertenwissen wird auch bei der Vorbereitung der Ausschreibung notwendig. Die Ausschreibung der anzuschaffenden Geräte sollte durch ein Fachingenieurbüro vorbereitet werden, damit z.B. Richtwerte hinsichtlich der Leistungsfähigkeit, der Geräuschentwicklung, der Funktionsweise und ggfs. auch der Folgekosten der Geräte festge-legt werden.
Eine sorgfältige Vorbereitung der Ausschreibung ist in Anbetracht der erheblichen Investitionen von grundsätzlicher Bedeutung, denn nur dadurch kann sichergestellt werden, dass die Geräte auch über eine längere Zeit benutzt werden.
Die Beauftragung eines geeigneten Fachingenieurbüros und die Festlegung von Standards bedin-gen aber ebenfalls einen gewissen zeitlichen Vorlauf.
Insgesamt kann davon ausgegangen werden, dass ab Beschlussfassung durch Vorbereitung und Durchführung der Ausschreibung bis zur Auftragsvergabe ein Zeitraum von 5 Monaten verstreichen wird. Nicht berücksichtigt in dieser Berechnung sind die zurzeit nicht zu kalkulierenden Lie-ferzeiten der Geräte nach Auftragsvergabe.

Folgekosten:

Die Folgekosten sollen anhand der folgenden Berechnung verdeutlicht werden:
Für die Luftreiniger werden ca. 6 Cent pro Gerät und Betriebsstunde fällig. Ausgehend von 8 Be-triebsstunden pro Schultag, einer 5-Tage-Woche und 40 Wochen Schulbetrieb im Jahr werden folgende Kosten entstehen:
- 100 Geräte x 0,06 € x 8 Std. x 5 Tage x 40 Wochen = 9.600 € / Jahr
- 200 Geräte x 0,06 € x 8 Std. x 5 Tage x 40 Wochen = 19.200 € / Jahr
- 500 Geräte x 0,06 € x 8 Std. x 5 Tage x 40 Wochen = 48.000 € / Jahr
Hinzu kommen für den Austausch der Filtereinheiten herstellerabhängig noch Preise für Hepa- und sonstige Filter in nicht unerheblicher Höhe.

Fazit:

Nach Abwägung aller Argumente, immer natürlich mit der Sicherstellung der Gesundheit der Kin-der und Jugendlichen im Vordergrund und eines reibungslos laufenden Unterrichtsbetriebs, kommt die Verwaltung zu dem Schluss, dass die Anschaffung von mobilen Luftreinigungsgeräten nicht sinnvoll ist und dem auch von der Landesregierung empfohlenen regelmäßigen Lüften, u.U. kom-biniert mit dem Einsatz von CO2-Sensoren, der Vorrang einzuräumen ist. Es gibt an keiner Schule Räume der schlecht zu lüftenden Kategorie 2, so dass die erhebliche Investition keinen spürbaren Erfolg bieten wird.

Hier alle Analysen zum Download

Uni Stuttgart Pilotprojekt Infektionsrisiko in Klassenräumen Abschlussbericht Zusammenfassung 05.07.2021

BAuA Infektionsschutz durch mobile Raumluftreiniger März 2021

UBA 09.07.2021 Lüftung, Lüftungsanlage und mobile Luftreiniger an Schulen

UBA 11.02.2021 Mobile Luftreiniger

BMAS und BAuA mobile-luftreiniger-hinweise-zur-auswahl-und-zum-betrieb März 2021